Historisch niedrige Kurse führen zu historisch günstigen Einkaufsmöglichkeiten
17.03.09, 12:15, By: Walter Feil
Die durch die Panik-Verkäufe und vielleicht auch einige Zwangs-Liquidationen heruntergeprügelten Kurse führen zu Bewertungen, die extrem weit unterhalb der mittel- und langfristig als realistisch eingeschätzten Bewertungen liegen.
Das Magazin der Royal Bank of Scotland dokumentiert das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zahlreicher Indizes auf einem außergewöhnlich günstigen Niveau: DAX auf 7,51 (2009e = erwartet für 2009), Dow Jones 10,49 und zahlreiche Indizes der Ems (Emerging Markets = Aufstrebende Märkte, auch Schwellenländer bezeichnet) zwischen 5 und 10. Mit einem KGV benennt man den Preis einer Aktien im Verhältnis zum erwarteten Jahresgewinn. Beispiel: Jahresgewinn sei 1 Milliarde Euro, Bewertung sämtlicher Aktien des Unternehmens sei 10 Milliarden Euro. Damit ist die Aktie mit dem Zehnfachen Jahresgewinn bewertet, das KGV (Kurs/Gewinn-Verhältnis) liegt bei 10,0. Je niedriger das KGV, desto niedriger ist die Bewertung der Aktie im Verhältnis zum erwarteten Jahresgewinn.
Nun wird der für das Jahr 2009 erwartete Gewinn bei zahlreichen Unternehmen durch einige Sonder-Einflüsse reduziert:
- Reduzierte Umsätze führen zu niedrigeren Gewinnen. Die Umsätze werden mit einer wirtschaftlichen Erholung jedoch wieder steigen und damit auch die Gewinne.
- Personalabbau ist fast immer mit Sonderkosten, z.B. Abfindungen, verbunden. Dies beeinflusst die Gewinnvorausschau für 2009 negativ. Dieser Sondereinfluss wird nach Abschluss der Maßnahmen wieder entfallen.
- Forderungsausfälle aufgrund Insolvenz von Kunden beeinflussen die Gewinnvorausschau negativ. Auch dieser Sondereinfluss wird mit einer Konjunkturerholung wieder entfallen.
Investoren finden derzeit historisch außergewöhnlich günstige Möglichkeiten, sich in Weltfirmen zu Tiefkursen einzukaufen. Den absolut günstigsten Zeitpunkt wird niemand genau treffen. Jedoch befinden wir uns jetzt in einer Phase, in der der Grundstock für deutliche Wertsteigerungen im Depot für eine Anlagedauer von fünf oder mehr Jahren gelegt wird.
Aktien doppelt interessant im Vergleich zu Rentenwerten
Die niedrige Bewertung der Aktien gibt für sich alleine betrachtet schon Anlass, jetzt Kauf-Chancen zu nutzen. Besonders nachdenklich stimmt allerdings ein Vergleich mit den Renditen von Zinspapieren. Diese werden üblicherweise in Prozent Zinsertrag auf das angelegte Kapital angegeben, also z.B. 3,05 Prozent Zins für zehnjährige Staatsanleihen der BRD. Wenn wir diesen Zinsertrag in ein „KGV“ umrechnen, kommen wir zu einem Faktor von 32,81. Das bedeutet: Eine zehnjährige Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland, die einen Zinsertrag von 3,05 Prozent bietet, kostet das 32,81-fache des jährlichen Ertrags. Nach Abzug der Abgeltungsteuer, die unter Berücksichtigung von Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer 28,375 Prozent beträgt, verbleiben von diesem Zinsertrag noch 2,185 Prozent netto. Damit kostet die Staatsanleihe das 45,77-fache des jährlichen Nettoertrags.
In „normalen“ Zeiten, wenn also nicht pure Angst, sondern rationale Überlegen vorherrscht, würde niemand den 45-fachen Jahresertrag für eine Kapitalanlage bezahlen. Vergleichen Sie dies mit einer Anlage in Immobilien: Für ein Eigenheim zahlen wir maximal das 25-fache der Vergleichsmiete und für ein Zinshaus (= vermietetes Immobilienprojekt) in normalen Zeiten das 12- bis 16-fache der nachhaltig erzielbaren Jahresmiete. Über Immobilienfonds, die die besonderen Gelegenheiten aus den derzeitigen Turbulenzen nutzen, kaufen wir Zinshäuser zum 10- bis 11-fachen der nachhaltig erzielbaren Jahresmiete.
Wenn wir den Vergleich ausdehnen, erhalten wir eine Beteiligung an Photovoltaik-Kraftwerken mit 25 Jahre lang auf gesetzlicher Grundlage gesicherter Einspeisevergütung für den Faktor 11, Beteiligungen an Zweitmarktfonds für Schiffsbeteiligungen für Faktor 10 bis 12 und Beteiligungsangebote an Landerschließungsprojekten für Faktor 7 bis 8. Auf den Seminaren auf der Burg vom 8. bis 10. Mai gehen wir näher darauf ein.
Irgendwann werden die Milliarden, die derzeit in Staatsanleihen, Festgeldern, Tagesgeldern und anderen niedrig rentierlichen Anlagen geparkt sind, wieder in den Aktienmarkt zurückkehren. Man spricht von über 8.000 Milliarden, also 8 Billionen US$ (in den USA nennt man das „Trillions“). Dann folgt der gegenteilige Effekt:
Der erste Kurs-Schub ergibt sich aus der Zwangslage der Short-Spekulanten, die bei steigenden Kursen ihre Short-Positionen eindecken müssen, und dies zu jedem Preis. Welche Extremwerte sich daraus ergeben können, haben wir vor Kurzem an der Kursentwicklung der Volkswagen-Aktie gesehen, die in der Spitze für kurze Zeit über 1.000 Euro notierte. Die Brisanz solcher Short-Positionen wurde besonders augenfällig, als der allseits geachtete und erfahrene Unternehmer Merkle wegen einer falsch eingeschätzten Short-Spekulation einen Milliardenverlust erlitt.
Eine Stabilisierung der Kurserholung wird sich aus der stufenweisen Rückkehr der derzeit als Liquidität geparkten Anlagesummen in die Aktienmärkte ergeben. Dann werden wir Verluste in den Rentenmärkten und Gewinne in den Aktienmärkten erleben.
Der Newsletter der Royal Bank of Scotland liefert eine schöne Übersicht über die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte im Vergleich zu den völlig überbewerteten Rentenmärkten (siehe Seite 14, Bewertung der globalen Aktienmärkte, PDF-Datei, 824 KB).


